805/20 - Opfer-Biografien

Das Gedenken an die Opfer der NS-„Euthanasie" in Kloster Irsee: Rundgang, Lesung und Gespräch

Am 1. September 1849 wurde in Kloster Irsee die erste Schwäbische "Kreis-Irren-Anstalt" eröffnet, die nach dem Neubau der "Heilanstalt für Geisteskranke" in Kaufbeuren bis 1972 als Abteilung für chronisch Kranke der "Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren/Irsee" bestand.

Damit hatte Irsee in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch Anteil am dunkelsten Kapitel der deutschen Psychiatrie, an der menschenverachtenden NS-"Euthanasie". So wurden 1940/41 im Rahmen der "Aktion T4" 400 Irseer Patientinnen und Patienten in die Gasmordanstalten Grafeneck und Hartheim verlegt. Bis Kriegsende erlagen in Irsee selbst weitere 800 Kranke dem hier "Schmalkost" genannten systematischen Nahrungsentzug bzw. der Medikamententötungen.

In Kloster Irsee erinnern ein Denkmal auf dem ehemaligen Patientenfriedhof hinter der Klosterkirche, die zur Gedenkstätte umgewidmete Prosektur der Anstalt und zehn Gedenksteine des internationalen Projektes STOLPERSTEINE an die Opfer.

Besondere Aufmerksamkeit erweckt die Biographie von Ernst Lossa, der im Alter von nur 14 Jahren in der Nacht vom 8. auf den 9. August 1944 in Irsee mit einer Überdosis an Medikamenten ermordet wurde.

Das den Opfer-Biografien gewidmete Seminar bietet neben einem Besuch von Kloster Irsee und seiner Gedenklandschaft auch Begegnungsmöglichkeiten mit Robert Domes (Lesung aus seinem preisgekrönten Roman „Nebel im August. Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa“) und mit Michael von Cranach, langjähriger ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren.



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